Referenten und Assistenten des Lehrgangs (v.l.n.r.): Hannelore Sieber, Sergey Nastega, Bodo Blumentritt, Peter Wetzelsperger, Lothar Sieber, Richard Wagner, Wolfgang Krötz

Jiu-Jitsu- & Selbstverteidigungs – Lehrgang des DJJR in Weichs am 26.10.2013

Sich selbst und andere im Angriffsfall verteidigen zu können, ist jedem Kampfkunstsystem als Zielsetzung sowie Daseinsberechtigung inhärent – zumindest in der Theorie. Tatsächlich liegen die Ursprünge der meisten heute noch praktizierten Kampfsportarten in dem Bestreben, körperliche und geistige Fähigkeiten auszubilden, die es im Falle eines Kampfes ermöglichen, das eigene Leben zu schützen und den Gegner abzuwehren. Im Laufe der Zeit haben sich jedoch oftmals stark wettkampforientierte Techniken etabliert und ihre konkrete Anwendbarkeit für eine reale Angriffssituation zugunsten des sportlichen Aspektes weitgehend eingebüßt.
Dieses ehemalige Potenzial zu reaktivieren und erneut zur Diskussion unter dem Gesichtspunkt der Selbstverteidigung zu stellen, war der Hauptschwerpunkt des vom DJJR organisierten Lehrgangs am 26. Oktober in Weichs. Die Begrüßung der zahlreichen Teilnehmer erfolgte durch den zweiten Bürgermeister von Weichs, Martin Hofmann, sowie die Präsidentin des Deutschen Jiu-Jitsu-Rings Erich Rahn e.V., Hannelore Sieber (9. Dan Jiu-Jitsu). Zudem war es eine große Freude, dass Großmeister Sergey Nastega (6. Dan Jiu-Jitsu, Union of the Western Sibiria) aus Sibirien, Großmeister Lothar Sieber (10. Dan Jiu-Jitsu und Zen-Do-Karate, Soke, Vorsitzender des DJJR-Großmeisterkollegiums) und Peter Wetzelsperger (4. Dan Jiu-Jitsu) die einzelnen Lehrgangsabschnitte referierten. Ebenfalls zu Gast waren darüber hinaus Thomas Gerold (stellvertretender Vorsitzender des DJJR- Großmeisterkollegiums), Bodo Blumentritt (Präsident des Deutschen Dan-Träger und Budo-Lehrer-Verbandes e.V.), Harald Weitmann (Vizepräsident Finanzen DJJR) sowie die DDBV-Präsidiumsmitglieder Wolfgang Krötz und Thomas Wolfer.

 

Wie begegnet man einer Attacke mit einem Stock oder einer ähnlichen Schlagwaffe am wirkungsvollsten und wie lässt sich der Gegner nach einer geglückten Entwaffnung sicher unter Kontrolle halten? Diese Frage stellte Sergey Nasteka an den Beginn seiner Ausführungen und demonstrierte den Kampfsportlern im Verlauf des ersten Veranstaltungsteils eine wohldurchdachte Technikauswahl, die er zu fließenden Kombinationen verband. Diese zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass jede einzelne Technik bereits für sich genommen von hoher Wirksamkeit bei gleichzeitig schneller und unkomplizierter Durchführung war. In Folge angewendet, erlaubten die in sich wiederum variablen Abläufe aus Griff-, Schlag-, Fuß- und Fegetechniken die Abwehr, Entwaffnung und abschließende Fixierung des Gegners. Unter der fachkundigen Anleitung des Referenten bereiteten entsprechend zugeordnete Übungsintervalle auf den abschließenden Teil der Trainingseinheit vor – den Angriff mit einem Messer. Auch hier klärte Nasteka über die Problematik auf und gab einen Einblick in Abwehrmöglichkeiten, die trotz des bei einem Messerangriff immer gegenwärtigen hohen Risikos zum Erfolg führen können.

Der zweite Lehrgangsteil stand unter dem Motto einer Verbindung aus Wettkampferfahrungen mit Selbstverteidigungsaspekten. Peter Wetzelsperger untersuchte typische Wettkampfsituationen darauf hin, inwiefern die dort angewendeten Abläufe abgeändert werden müssen, um auch einem realen Verteidigungsfall angemessen zu sein. Seine aufschlussreichen Analysen konnten die Teilnehmer jeweils sofort in ihrer praktischen Umsetzung erproben. Ob schneller Block und Konter auf einen halbkreisförmig geführten Fausthieb, Ausweichbewegungen, Kniestöße oder Hebel, die Anforderungen waren vielfältig und forderten die Kampfsportler zur konzentrierten Durchführung auf.

Konzentration und Koordination waren auch für den letzten Abschnitt zentral, in dem Lothar Sieber eine klassische Übungsabfolge des Jiu-Jitsu am Boden in ihre einzelnen Bestandteile zerlegte und auf ihre Funktionalität hin erläuterte. Dass dabei gerade in den Details der Schlüssel zu einer gelungenen oder missglückten Ausführung liegt, wurde den Teilnehmern schnell klar und somit auch die hohe Komplexität scheinbar einfacher Bewegungen. Erst die optimale Verbindung aller Komponenten machte die gezeigten Techniken wirklich effektiv.

So waren am Ende des Lehrgangstages alle Kampfsportler um viele Erfahrungen reicher und die zahlreichen Gespräche, die im Anschluss im Landgasthof Langenegger in Aufhausen/Weichs geführt wurden, verdeutlichten die lebhafte Auseinandersetzung der Teilnehmer mit der Materie und damit die hohe Qualität des Lehrgangs.

Text: Dr. Nicola Ettlin

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